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Winterlinden

Der größte Teil der Bäume ist über 50 Jahre alt. Dieses Alter spiegelt sich aber nicht im Aussehen der Winterlinden wider – sie wirken eher kleinwüchsig und zeigen bereits Einbußen an Lebenskraft und Energie.

Die 48 Linden: dunkel und rot der aktuelle Zustand, hell hinterlegt wie sie hätten sein sollen

Die 48 Linden: dunkel und rot der aktuelle Zustand, hell hinterlegt wie sie hätten sein sollen (das altersgerechte Wachstum bei normalen Bedingungen)
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Seit Mitte der 1970er Jahre dienen regelmäßig durchgeführte Baumkontrollen im Lübecker Stadtgebiet neben der Gewährleistung der Verkehrssicherung auch dazu, Fehlentwicklungen eines Baumes zu erkennen und rechtzeitig Pflegemaßnahmen zu ergreifen, welche die Baumgesundheit aufrecht erhalten sollen. Auf Grundlage dieser Daten erfolgte 2012 durch den Bereich Stadtgrün und Verkehr die Aussage zum Zustand der Bäume, dass ein langfristiger Erhalt der Bestandslinden nicht möglich sei. Jede Veränderung am Standraum, ob Verbesserung oder Verschlechterung, führe unweigerlich zum Absterben der Bäume. Eingriffe in den statisch wirksamen Wurzelbereich schränken die Standsicherheit ein. Auch weisen die Linden als Folge des sehr kleinen und stark verdichteten Wurzelraums einen schlechten Erhaltungszustand auf - die Entwicklung ist zum Teil bereits rückgängig. Ein dauerhafter und langjähriger Erhalt der Bäume bei Umgestaltung der Fläche wurde als unwahrscheinlich eingeschätzt.

Ein eingeholtes Gutachten eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Baumpflege, -sanierung und -bewertung bestätigte diese Aussage und attestiert den Bäumen eine eingeschränkte Vitalität sowie niedrige Lebensdauer. Dieses Gutachten wird von den Initiatoren des Bürgerbegehrens angezweifelt. Auch wenn die Stadtverwaltung von der Richtigkeit des ersten Gutachtens überzeugt ist, wurde das renommierte Institut für Baumpflege aus Hamburg mit der Erstellung eines weiteren Gutachtens beauftragt, um Transparenz zu schaffen. Aufgabe des Gutachters war es, wiederholt den Gesamtzustand der Bäume zu bewerten und eine erneute Beurteilung der Bäume im Hinblick auf die geplante Baumaßnahme abzugeben.

Linde braun

Das Gutachten unterliegt dem Urheberrecht, die hier angebotene Fassung dient zur Information. Zum Lesen müssen Sie die Nutzungsbedingungen akzeptieren:

 


Warum sind die Linden in einem schlechten Zustand?

Solche Erscheinungsbilder an Winterlinden haben ihre Ursache im Wurzelraum, wenn der Standraum eingeengt ist, sich die Wurzeln nicht entsprechend ausbilden können. Dies hat negative Auswirkungen auf Wuchs und Gesundheit der Bäume. Derzeit sind bei vielen Bäumen bereits abgestorbene Kronenpartien zu sehen. Der Grund: Der zur Verfügung stehende Wurzelraum für Bäume ist oft gering. Vor allem in der Vergangenheit wurden Bäume quasi in "Blumentöpfen" gepflanzt, so auch an der Untertrave. Als Faustformel für den erforderlichen Wurzelraum eines Straßenbaumes gilt: Je Quadratmeter Kronenfläche braucht es 0,5 bis 0,75 m3 durchwurzelbaren Raum. Dieses Verhältnis muss auch später eingehalten werden, denn der Zuwachs des Baumes findet eben nicht nur oberirdisch statt, sondern muss auch im Wurzelraum möglich sein.


Wurzelraum und Mauer

Um die Verkehrssicherheit der Winterlinden in den kommenden Jahren sicher zu stellen, werden eingreifende Kronenpflegeschnitte erforderlich sein.

Warum kann nicht mit den Linden geplant werden?

Die Winterlinden sind empfindlich: Jede Veränderung am Standraum, ob Verbesserung oder Verschlechterung, führt unweigerlich zum Absterben der Bäume. Vielleicht nicht sofort, aber in wenigen Jahren. Eingriffe in den statisch wirksamen Wurzelbereich schränken die Standsicherheit ein.

Grünstreifen

Wenn die Linden erhalten werden sollen, kann die bisherige Planung der Promenade nicht umgesetzt werden. Ein Ausbau, mit neuer Befestigung, ist nicht mehr möglich: Aufgrund der DIN 18920 sind zum Schutz der Bäume Bauarbeiten im Kronenbereich nicht erlaubt. Das bedeutet: Von der Kaikante bis fast zur heutigen Straße könnten keine Bauarbeiten durchgeführt werden, eine neue Flaniermeile am Wasser könnte nicht gebaut werden. Gerade die Flaniermeile ist aber ein wichtiges Kriterium, um die Fördergelder zu erhalten.

Krone plus 1,5 m Schutzradius

Um die Baumwurzeln zu schonen, könnten die Flächen im Wurzelbereich der Bäume (Kronendurchmesser zuzüglich eines 1,50 m breiten Schutzstreifens) höchstens oberflächlich in Handarbeit bearbeitet werden. Allerdings: Es darf weder gegraben noch Boden aufgeschüttet werden. Dadurch sind die notwendigen Arbeiten stark eingeschränkt, eine wirkliche Verbesserung der Wege auf Dauer ist nicht möglich. Auch der Erhalt der Mauer ist statisch für die Standsicherheit der Bäume notwendig. Eine barrierefreie Promenadengestaltung ist dann nicht mehr möglich.

Fazit

Es muss zudem klar sein, dass trotz einer wurzelschonenden Gestaltung und Ausführung der Arbeiten, jegliche Standortveränderungen zum verfrühten Absterben der Bäume führen werden. Eine nachhaltige Entwicklung und Planung ist somit nicht möglich – in wenigen Jahren müssten neue Bäume gesetzt werden.